Heute ist Samstag und in der Mittagszeit war ich auf dem Weg zum Supermarkt und Bäcker, um noch einige Kleinigkeiten für den morgigen Sonntag zu besorgen und es war gerade eine Wolkenlücke zwischen dem dringend benötigten Regen die ich nutzen wollte um nicht völlig durchnässt zu werden. Auf dem Weg dahin wollte ich noch in das Geldautomatenhäuschen um mich mit Bargeld zu versorgen, da ich es nicht mag, jede Kleinigkeit mit der Karte zu bezahlen und meiner Bank dadurch über jeden meiner Einkäufe (was, wann und wo) Einblick über mein Kaufverhalten zu geben. Da bereits schon eine Person darin war, wartete ich vor diesem Häuschen. Vor mir stand ein älterer Herr mit seinem Rollator auf den er sich stützte da ihm offensichtlich das gehen und stehen schwer fiel. Ich ging davon aus, dass er ebenfalls wartete um in das Automatenhäuschen und an den Geldautomaten zu gehen, er war auf jeden Fall vor mir und so warteten wir beide. Dieser Herr sah mich eine ganze Weile an und ich sah ihm an, dass er irgendwie mit sich kämpfte und ihm etwas schwer auf die Seele drückte. Schließlich fasste er Mut, kam auf mich zu und sagte: "Jetzt ist es schön, die Sonne scheint und so kann es bleiben." Ich lachte und entgegnete ihm ja, so kann es bleiben und dann besser werden. Er erzählte mir, dass er Rentner ist und über 45 Jahre hart gearbeitet hat und dabei seine Knochen kaputt gegangen sind. Dann sagte er, dass er gestern, am Freitag, bei der Sparkassenfiliale am Schalter war , da seine Rente erst in ein paar Tagen wieder auf seinem Konto gutgeschrieben wird, aber am Ende der Rente eben noch einige Tage offen sind. Er sagte er habe die Mitarbeiterin am Schalter gebeten, ihm doch zumindest 5 Euro auszuzahlen, damit er sich zumindest für diese paar Tage noch ein Brot kaufen könne. Er war sehr traurig, wütend und enttäuscht, dass die Mitarbeiterin ihm erklärt habe, sie könne ihm noch nicht mal 5 Euro auszahlen, da sein Konto zum jetzigen Zeitpunkt nicht gedeckt ist. Auf seinen Einwand, ja aber die Rente kommt doch in ein paar Tagen wieder auf das Konto und es geht doch "nur" um 5 Euro für Brot, blieb die Dame am Schalter sehr hart und sagte, nein das geht nicht, dann soll er doch wieder kommen wenn die Rente auf seinem Konto gutgeschrieben ist. Er meinte, da arbeitet man über 45 Jahre, sein ganzes Leben lang sehr hart und im Alter wird man dann wie ein Bittsteller behandelt und er frage sich in welcher Welt wir eigentlich leben. Er sagte, in den 1970er Jahren war zwischen den Menschen noch mehr Zusammenhalt und Mitgefühl, da wurde auch mal ein Auge zugedrückt mit dem Hinweis, wir wissen doch dass deine Rente wieder gutgeschrieben wird, dann ist das Konto ja auch wieder gedeckt und ausgeglichen. Aber heutzutage wird keine Rücksicht mehr genommen, da wird nur noch danach gewertet, was und wieviel Geld, Macht und Ansehen jemand hat und was er darstellt. Ich muss gestehen, dass ich diesem netten und sympathischen Herrn sehr gerne einen Schein zugesteckt habe, damit er sich zumindest was zu essen kaufen kann.
Aber ich gebe diesem unbekannten Herren recht, denn auch ich trat 1973 in das Arbeitsleben ein. Seit dieser Zeit hat sich wirklich ganz viel verändert und das ist auch gut so, denn vieles ist leichter geworden und die körperliche Arbeit wird durch viele Maschinen erleichtert, auch in den Büros, Banken und Sparkassen ist vieles durch die Computer leichter geworden, man muss nicht mehr alles auf einem Stück Papier und viel Kopfrechnen selbst berechnen, das machen jetzt die Computerprogramme. Auch fällt mir immer wieder auf, dass Regeln und Umgangsformen heutzutage eher als altmodisch und antiquiert betrachtet werden und der Umgangston sehr oft zu wünschen übrig lässt. Worte haben eine ungeheure Macht und können - unbedacht ausgesprochen - sehr tiefe Verletzungen und Wunden hinterlassen, die nur sehr schwer bis manchmal gar nicht verheilen und schon so manchen Menschen nicht nur zur Verzweiflung getrieben haben, nein noch viel schlimmer so manchen Menschen zu Suizid gebracht haben und das ist unverzeihlich. Niemand sollte vergessen, es sind Menschen, die Menschen das antun.
Aber ist es wirklich so antiquiert, einander mit Achtung und Respekt zu begegnen? Sind die "Alten" wirklich nur noch ein lästiges Anhängsel die zu nichts mehr zu gebrauchen sind, nicht mehr arbeiten können aber jetzt die "fette" Rente zu Lasten der Jungen kassieren? Zählt die Lebensleistung wirklich gar nichts mehr? Wer hat denn den Wohlstand dieses Landes, von dem gerade die Jungen durchaus profitieren - z. B. Erbschaften - erarbeitet? Ist das der Generation, die jetzt in Rente sind oder gehen, einfach so in den Schoß oder vom Himmel gefallen oder musste diese Generation nicht auch hart dafür arbeiten? Diese Gedanken beschäftigen mich sehr und haben mich veranlasst, diesen Beitrag zu schreiben. Aber ein Trost bleibt mir und wird sich auch in 100 Jahren trotz aller Fortschritte, Erfindungen, Schönheitsoperationen und Verjüngungscremes, Seren und was es sonst noch alles gibt um jung und dynamisch zu bleiben und auszusehen nicht verändern und nicht wegdiskutieren lassen:
"Das Alter vergisst niemanden und es lässt sich nicht aufhalten und/oder austricksen! Das Alter kommt und das ist so sicher wie das Amen in der Kirche!"
Ich wünsche Euch allen ein reiches und gesegnetes Leben voller Freude, egal in welchem Alter, denn jedes Alter hat auch seine Vorteile 🤗😉
Eure Anne Scherer
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